Aus Geschichte nichts gelernt.


Gastbeitrag von Richard Lederer

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Viele Leute behaupten immer, dass die FPÖ nichts aus Geschichte gelernt hätte, aber das stimmt einfach nicht. Sie hat von von allen rechtsextremen Parteien Europas sogar am meisten von der Geschichte gelernt, und zwar von Hitler und seinem Aufstieg. Sie hat gelernt wie sie sich als antidemokratische Kraft statt Anfangs über einen Staatstreich über demokratische Institutionen wie dem Parlament langsam an die Macht hocharbeiten kann. Sie hat von Hitler gelernt, wie sie nach außen eine demokratische, vergleichsweise gemäßigtere Sprache benutzen kann, während die gefestigten ideologischen Kader hinter verschlossenen Türen immer stets verstehen was mit dieser Sprache gemeint ist. Sie haben von Hitler gelernt, dass Faschismus einen Sündenbock braucht, und dieser Sündenbock auch mainstreamtauglich sein muss, und sind deswegen vom Antisemitismus zur Islamfeindlichkeit gewechselt.

Leider ist aber die FPÖ die einzige Partei, welche mit Bezug auf den Nationalsozialismus von der Geschichte gelernt hat. Sämtliche anderen Parteien, fallen der indirekten historischen Nachfolgepartei der NSDAP (Zitat Anton Pelinka) (wie damals ihre jeweiligen Vorgängerparteien) genau auf die selben Tricks herein. Sie weigern sich diese Partei als antidemokratische und im Kern faschistische Kraft zu betrachten, und statt diese Partei gemeinsam zu bekämpfen, beginnen sie „das Gemeinsame“ mit der FPÖ zu suchen, und haben auch kein Problem, wenn deklarierte Faschisten und Holocaustleugner in großen staatlichen Räumen tanzen und sich international vernetzen. Man glaubt wie damals, dass die Faschisten sich wohl selber zerstören wenn man sie bloß machen lässt was sie wollen, und dass die Verfassung uns vor dem Faschismus schützen würde. Man beginnt ihre Forderungen immer ernster zu nehmen und langsam umzusetzen, so dass Schritt für Schritt ehemals als extremistisch empfundene Forderungen immer gemäßigter erscheinen. Ja, es geht sogar soweit, dass die Gegner der FPÖ statt gemeinsam gegen die FPÖ vorzugehen, gemeinsam gegen Antifaschisten vorgehen um antifaschistische Demos zu verhindern. (Anmerkung: Es gäbe hier noch viele weitere Beispiele)

Aber im Grunde genommen haben wir doch von der Geschichte gelernt. Wir haben gelernt, dass ein Mann mit schmalem Schnauzer und Hakenkreuz nicht gut ist und verhindert werden muss. Wir haben gelernt, dass eine Partei, die gegen Juden hetzt, etwas furchtbares ist und niemals zugelassen werden darf. Nur leider nützt „uns“ all dieses Gelernte nichts, weil „wir“ nicht in der Lage sind, dieses Gelernte auf die Gegenwart zu übertragen, um zu verstehen, dass die Geschichte sich nicht in identischer Weise wiederholt.

Wenn ein Mann, statt mit schmalem Schnautzer, nur Augenringe hat, statt einem Hakenkreuz nur eine blaue Kornblume trägt und statt gegen Juden nur gegen Muslime hetzt, dann scheinen bei den meisten die Alarmglocken nicht wirklich laut zu klingeln, weil eben nicht neonazistisch, sondern eben nur recht extremistisch Man ist zwar so wie damals besorgt, zeigt aber keinerlei Konsequenzen und lehnt auch – wie damals – kompromisslosen Widerstand ab. Edle Worte wie „Wehret den Anfängen“ werden zwar oft und gerne gesagt, aber die Konsequenzen dieser Worte bleiben leider stets aus.

Die Anfänge hat diese Partei schon lange hinter sich gelassen. Es liegt an uns, sie wieder dorthin zu treiben, wo sie zukünftig keinen Schaden mehr anrichten kann.

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Zur Person: Richard Lederer (45) ist freischaffender Musiker und Programmierer. Seit 2009 engagiert er sich für soziale Gerechtigkeit gegen Rassismus und Faschismus und ist Mitglied der „Neuen Linkswende“. Sein Vater war der berühmt österreichische Maler Viktor Lederer http://www.galerielehner.at/data/artistPdf/Viktor_Lederer.pdf 


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