Demo gegen Castell Aurora

Am Samstag den 07. April 2024 lud das Castell Aurora den amtsbekannten Martin Sellner zu einem rechtsextremen Deportationsvortrag nach Steyregg ein. Mit ihm refererierte Paul Klemm vom Compact-Magazin aus Deutschland und zur Diskussion stellte sich auch der Politrabauke und ex-AfD-Abgeordnete von Stuttgart, Dr. Heinrich Fiechtner. Gekommen waren nicht ganz 50 Zuhörer, darunter Identitäre, Burschenschafter und FPÖ-Funktionäre. Zu einer Demonstration gegen diese rechtsextreme Veranstaltung rief „Steyregg ist bunt“ auf.

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Martin Sellner (weißes Poloshirt) wird im Castell Aurora von Heinrich Fiechnter (Afd) empfangen

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Steve Hentschke steht an der Ecke seines Castells und plärrt in schnorriger NS-Schnautze: “ Gehen sie weiter, gehen sie, das hier ist eine Sperrzone. Ihre Zone liegt da drüben,“ und zeigt mit erhobener rechter Hand in Richtung Gemeindeamt der Stadt Steyregg. Dort hat sich bereits ein gar nicht so kleines Grüppchen versammelt. Geladen hat „Steyregg ist bunt„. Sie demonstrieren als aufrechte Demokraten gegen Rechtsextreme und Nazi-Mief.  Auch die „Omas gegen Rechts“ sind mit dabei. 

Steve Hentschke ist der Hausherr des Castells, das er als aufgehende Morgenröte betrachtet wissen will.  Gleich einer christlichen Auferstehung erwarter er sich, dass das Volk aus der Knechtschaft der Eliten befreit wird mit freier Meinungsäußerung und reiner Wahrheit.

Steve Henschke hat das depressiv wirkende Haus am Stadtplatz in Steyregg im Jahr 2019 mit dubiosen Geldern gekauft. Zwei Jahre dauerte die Renovierung, als erstmals die Identitären im Jahr 2021 einziehen konnten.  Seitdem gibt es regelmäßige rechtsextreme auch antisemitische, menschenverachtende Vorträge und Diskussionen über die Bewahrung der arischen Rasse, über Ausschaffung, Remigration und Deportation von Personen anderer Kulturen.

Heute ist Martin Sellner zu einem Disskussionsvortrag eingeladen. Der umtriebige Borderliner, Selbstinszenierer und demonstrierende Dächerbesteiger aus Wien, will über Remigration sprechen. Er selbst ist erst vor kurzem aus der Schweiz ausgeschafft und aus Deutschland remigriert worden. In den USA und in Großbrittanien hat er Aufenthaltsverbot, wegen seiner mehr als nur verhetzenden Vorträge.

Im Schlepptau von Sellner findet sich Paul Klemm, ein neonazistisch orientierter Bursche vom gesichert rechtsextremen deutschen Magazin „Compact“. Ein Magazin, dass in Österreich, außer bei Burschenschafter und Rechtsextremen, eher unbekannt ist.  Paul Klemm betreut den Compact-TV-Sender. Der rechte Bursche vom Nachbarstaat will heute über Zensur reden, haben doch nahmhafte deutsche Buch- und Zeitschriftenhändler den Vertrieb dieser hetzerischen Postilie eingestellt.

„Gehen sie weiter, gehen sie, dass hier ist eine Sperrzone“, schnarrt Steve  Hentschke im herrischen Ton Vorübergehende immer wieder an. Steve kommt aus dem Osten von Deutschland, ehe er sich im Mühlviertel niederließ und nun mehr Herr in seinem Castell wurde. Assimiliert hat er sich nicht, das müssen schon die anderen machen. Aber Bier und Wiener Schnitzel schmecken ihm schon.

Rechtsextreme unter sich

Gesichtet wurden Burschen und Mädels verschiedener Verbindungen, eine Frau aus Amstetten, die in Frauenhäusern eine Zerstörung des Familienglücks sieht, ihr pensionierter Ehemann, ehemals Arzt, Freunde von „AUF1“ und ehemalige Mitglieder des „Bund freier Jugend„, Nico Schott vom RTV aus Garsten, sowie Marco Hemmelmayr von der FPÖ Jugend. Er wird später Paul Klemm vom Compact-Magazin ein Interview geben, wie herrlich das doch alles im Castell Aurora ist.

Die Spielprogrammierer von KLTV-Games sind auch mit von der Partie, unterhalten sie doch im ersten Stock ein eigenes Studio. Ihr erstes Spiel wurde in Deutschland auf die Liste gesetzt. Es darf dort nicht mehr vertrieben werden. Zu stark richteten die schießwütigen Figuren ihre schweren Waffen auf andere und bei jedem Abschuss eines Ausländers, Asylwerbers oder Schwarzafrikaners heulte die Siegessirene martialisch auf. Ungeachtet dessen basteln sie an einer weiteren Version. Martin Sellner – dem heutigen Vortragenden – gefällt es, wie ein Foto im Internet beweist.

Die Polizei schreitet ein. Wir befinden uns in der gegnerischen Absperrzone und ersuchen um ein Interview. Steve plärrt wie ein wildgewordener Feldwebel herum und rennt zum Einsatzleiter der Polizei. Er will der „Lügen-Presse“ kein Interview geben. Außerdem verlange er nach einem Presseausweis. Der Einsatzleiter hat gelernt von damals, als er im Jänner, anlässlich einer ähnlichen Veranstaltung noch von einem harmlosen Kulturverein sprach und das Kamerateam vom ARD des Platzes verweisen wollte. Das brachte ihm auch als Verfassungsschützer öffentliche Kritik ein.   Das Argumentieren überlässt er jetzt lieber seinem polizeilichen Protokollführer, der wichtigmachend mit einer Mappe in der Hand unter viel Gefuchtel die Presse ausperren will. Gesetze und Pressefreiheit scheinen ihn wenig zu interessieren. Steve ist abgezogen, ein Interview für den Deutschlandfunk sowieso nicht möglich. Wir gehen.

Zurück an einen friedlicheren Ort  trabt plötzlich vom Castell kommend ein großer stämmiger Herr mit Sakko und Mascherl auf uns zu in Begleitung eines schlanken jungen Adjudanten in Anzug, Krawatte und feinen Lederschuhen. In seiner rechten Hand hält er ein gut gefülltes Weinglas.

Der stämmige Herr redet viel und wirres Zeug. Er kommt aus Stuttgart und ist extra zum Vortrag angereist. Ihn interessiert der Martin Sellner. Er hält ihn für einen tapferen Menschen. Wir googeln „Mascherl+wirr+ rechtsextrem+Stuttgart„. Die Suchmaschine wirft uns Fiechtner aus, Dr. Heinrich Fiechtner, Arzt und ehemaliger AFD-Funktionär. Jetzt führt er eine eigene Partei „Bündnis Zukunft Stuttgart 23„.  „Der Irre und Wirre mit dem Mascherl“, findet sich ein Eintrag im Internet und Fotos einer gewaltsamen Entfernung aus dem Stuttgarter Plenarsaal durch die Polizei. Der Herr ist also ein Rabiatling, ein wüster sogar und zwischen Lachen und Zynismus verspürt man die Aggression und Kälte in seinen Adern. 

Steve Hentschke kommt herüber, plärrt „kein Interview, kein Interview – Interview vom Band löschen“, und zerrt Fiechtner weg. 

Wenige Minuten später beginnt die Veranstaltung, die Rechtsextremen verschwinden im Haus. Die Demonstration löst sich auf. Auch wir verlassen den Ort. Nur die Polizei verharrt noch etwas länger. Steve Hentschke wird später in einem Interview sagen, dass alles ganz friedlich abgelaufen ist und dass sie sich schon an die harmlosen Demonstrationen gewöhnt haben. Nur die „Omas“ belächt er milde, jener Bub, der ein Regime nationalsozialistischer Ideologie wieder errichten will. Die Omas jedenfalls können sich an diese Zeit noch erinnern.

Im Vortrag ging es um die Themen „Zensur gegen Compact“, wie reagiert das Magazin darauf, wie geht es  mit der Einreiseperre von Martin Sellner weiter, was ist sein nächster Plan und wie kann das patriotische Lager die Repression  überwinden und Remigration popularisieren.

Den Besuchern geht es  nicht um Demokratie sondern nur um Ethnokratie und die Vorherrschaft in diesem Staat hat natürlich der Arier. Eine Formulierung die diese in dieser Klarheit nie sagen aber trotzdem meinen.

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Bildergallerie

Dr. Heinrich Fiechtner -ex-AfD Stuttgart studiert das Plakat einer Demonstrantin
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Dr. Heinrich Fiechtner mit unbekanntem Rechtsextremen mit Weinglas kurz vor dem Interview-Abbruch
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Demonstrationsteilnehmer (Ausschnitt)
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Links


Martin Sellner
https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Sellner

Castell Aurora
http://www.dahamist.at/?s=castell+aurora

Paul Klemm
https://bnn.de/karlsruhe/rechte-netzwerker-ein-pforzheimer-setzt-
beim-compact-magazin-den-scharfen-ton

https://www.berliner-kurier.de/politik-wirtschaft/rassismus-und-
desinformations-kampagnen-verfassungsschutz-stuft-compact-magazin-
als-rechtsextrem-ein-li.200065

Dr. Heinrich Fiechtner

(Wikipedia)
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Fiechtner

https://www.regio-tv.de/mediathek/video/abgeordneter-heinrich-fiechtner-sorgt-fuer-eklat-im-landtag/
Abgeordneter Heinrich Fiechtner sorgt für Eklat im Landtag
In der ersten Sitzung des Landtags von Baden-Württemberg nach sechs Wochen Corona-bedingter Pause hat der parteilose Abgeordnete Heinrich Fiechter für einen Eklat gesorgt. Bei der Diskussion über eine Änderung der Geschäftsordnung beleidigte er Abgeordnete pauschal und ging auch
Landtagspräsidentin Muhterem Aras an. Nach drei Ordnungsrufen wird er aus dem Saal verwiesen. Da er diesen aber nicht verlässt, führen ihn
Polizeibeamte aus dem Landtag. Wir haben die Ereignisse zusammengefasst.

https://www.fr.de/politik/heinrich-fiechtner-afd-soedolf-hoecke-meuthen-bundestag-verschwoerungstheorie-donald-trump-soeder-baden-wuerttemberg-90207790.html 
AfD: Trump-Fan und Verschwörungstheoretiker Fiechtner will zurück in die Partei

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.lange-liste-von-anklagepunkten-stuttgarter-ex-stadtrat-fiechtner-steht-vor-gericht.8d644213-99ee-4ebf-
a59c-a6b0cdef465d.html
Der Ex-AfD-Abgeordnete Heinrich Fiechtner wird im Juni 2020 von Polizisten aus dem Landtag getragen. Zuvor wurde er von der Sitzung
ausgeschlossen, hatte sich aber geweigert, zu gehen. Dem früheren AfD-Mitglied werden unter anderem Hausfriedensbruch, Beleidigungen und unrechtmäßiger Umgang mit vertraulichen Unterlagen im Rathaus
vorgeworfen. Er betrachtet sich als Opfer. 

…..“Im März 2023 wurde Heinrich Fiechtner vom Amtsgericht Stuttgart wegen 17 Straftaten zu einer Geldstrafe von 72.750 Euro verurteilt. Angeklagt wurde Fiechtner wegen Hausfriedensbruch, Verstösse bei Versammlungen, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Beleidigungen. Er hatte die Gesundheitsminister von Bund und den Ländern als „Verbrecher“ und „Gesindel“ beschimpft und den damaligen Direktor des Landtags „eine antidemokratische Ratte“ genannt…..“

https://www.psiram.com/de/index.php/Heinrich_Fiechtner

KVLT-Games

Spieleentwickler KVLTGames von Dissidenten für Dissidenten

http://kvltgames.com/
Produziert werden die Spiele von der Softwarefirma „Kvltgames“, die ihren Sitz im Castell Aurora hat. Sie gehört dem rechtsextremen deutschen Roland Moritz. Soweit mir bekannt ist, sind alle diese Spiele in Deutschland indiziert, weil sie menschenverachtend sind und antisemitische und homo-feindliche Codes verwenden.

Das Spiel heißt „Heimat Defender: Rebellion“ und wurde am 07. Dezember 2020 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien in Deutschland auf die Liste gesetzt. Das Spiel darf somit in Deutschland nicht mehr verbreitet oder beworben werden.

Ein weiteres Spiel führt die Bezeichnung „The Great Rebellion“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Heimat_Defender:_Rebellion

http://www.morgenpost.de/politik/article241759960/Wie-Rechtsextreme-den-Gamingmarkt-erobern-wollen.html

Pressefreiheit

Die Polizei schränkt immer wieder die Pressefreiheit ein.
https://www.derstandard.at/story/2000145694185/journalistenorganisationen-appellieren-an-innenminister-demos-polizei-muss-pressefreiheit-gewaehrleisten-nicht

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