Das wahre Gesicht im Krieg sind die Schutzlosen


Gastbeitrag von Anahita Tasharofi

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Anahita Tasharofi   (Photo ©)

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Ein Bekannter von mir, ein iranischer Kriegsreporter und Regisseur, erzählte mir mal von seiner Zeit im jordanischen Geflüchtetenlager. Es war die schlimmste Zeit, die ihn prägte meinte er. Er sah im Laufe seiner Karriere als Journalist in Kriegsgebieten viel Grausamkeit. Und obwohl er immer wieder nach Afghanistan und in den Irak reiste, vergaß er jene Nacht nicht, an dem er nicht einschlafen konnte. . Ein alter Mann schrie im Schlaf. Auch er konnte nicht einschlafen. Er schrie vor Schmerzen. Er hatte Krebs und konnte sich keine Medizin leisten. In dem Teil des Camps konnte sich niemand Medizin leisten. Der Mann schrie und weinte in der stillen dunklen Nacht der kalten Wüste. So alt. So stark. So vieles überlebt. Nun starb er als Flüchtling mitten in einem elenden Camp, an einer elenden Krankheit, ohne Medizin. Mein Bekannter weinte und versuchte wegzuhören. Es klappte nicht. Er gab ihm schließlich viel Geld. Fast alles was er bei sich hatte.

„Hier! Bitte kaufen Sie sich Medizin!

So mögen zumindest Ihre Schmerzen aufhören!“ Sagte er zum alten Mann. Der Alte lächelte mit Tränen in seinen Augen.

„Lass mich gehen mein Sohn. Beachte meine Schreie nicht. Ich habe gelebt und es war ein gutes Leben. Wenn du spenden willst, dann tu es im Zelt nebenan! Dort sind Kinder mit den gleichen Schmerzen. Allerdings haben sie noch ein ganzes Leben vor sich und sind noch dazu völlig unschuldig. Sie müssen grundlos leiden.“

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Kriege in Afghanistan, wo Taliban an der Front auf ihn schoss, Kriege im Irak, wo Daesh aus nächster Nähe auf ihn schoss waren nichts im Gegensatz zu dem ehrlichen Schmerz, den er in den feuchten glänzenden Augen des alten Mannes gesehen hatte. Seitdem verlor er ein Stück Hoffnung an die Menschheit erzählte er mir. Seitdem war er ein wenig abgestumpft. Das wahre Gesicht des Krieges, die ihn erschütterte waren nicht immer nur Blut oder Leichen. Es waren die hilflosen schutzsuchenden Zivilisten, denen niemand zur Hilfe eilte.

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Zur Person Anahita Tasharofi

Sie ist die Gründerin und Obfrau des Vereins „Flucht nach vorn„. Am 3. März 2015 verlieh SOS Mitmensch zum 12. Mal den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage.  Die Wiener Initiative „Flucht nach vorn“ erhielt den Preis für ihre engagierte Arbeit mit jugendlichen Flüchtlingen. Die Preisrede hielt Nina Kusturica. Die mit 5.500 Euro dotierten Preise wurden von der Flüchtlingshelferin Ute Bock und dem Vorsitzenden von SOS Mitmensch Max Koch im Wappensaal in Anwesenheit von Ari Rath, Julya Rabinowich, Nina Kusturica und Sandra Frauenberger als amtsführende Wiener Stadträtin für Integration des Wiener Rathauses überreicht. Die Dotierung wurde von Ingrid und Christian Reder sowie der Familie Grolitsch gespendet.
http://www.sosmitmensch.at/site/home/article/954.html .
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Die besonderen Heldinnen dieser Tage sind Anahita Tasharofi und Mahsa Ghafari (Verein „Flucht nach vorn“), die soeben einen großen Flüchtlingskonvoi zuerst im Zug aus Budapest und dann zu Fuß über die Grenze nach Österreich begleitet haben. Hut ab vor ihnen und allen, die mitgeholfen haben.
http://www.asyl-in-not.org/php/eine_bresche_ist_geschlagen,20880,38421.html
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„Wenn die FPÖler extrem harte Feministen sind, können sie gerne mitreden“ https://wienerin.at/home/5061040/30-Frauen_Wenn-die-FPOeler-extrem-harte-Feministen-sind-koennen

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„Flucht nach Vorn“ – Das Herzensprojekt von und um Anahtita Tasharofi war mir bereits des Längeren bekannt. Spätestens seitdem dem Verein der Ute Bock Preis für Zivilcourage (2015) verliehen wurde, dürfte er auch vielen anderen Menschen von Begriff sein. Doch was genau macht ‚Flucht nach Vorne’ zu so einem besonderen Projekt?
http://youngviesions.com/portfolio/flucht-nach-vorn/ 

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Anmerkung: In einer Puls4 Sendung Anfang April 2017 nannte der  FPÖ-Politiker Leo Kohlbauer, seines Zeichens Klubobmann der Mariahilfer FPÖ, Anahita Tasharofi herabwürdigend Tasharofski. Die FPÖ stand noch nie für Menschlichkeit, sondern immer nur für Herabwürdigung.


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